Skip to main content

„Campusnetze dienen als zentrales Rückgrat für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen“

Dr. Bernd Schröder ist gemeinsam mit Karsten Schmeling Teil der Geschäftsführung der brown-iposs GmbH, die er 2006 gründete. Den studierten Mathematiker zeichnet insbesondere Besonnenheit aus – beruflichen Herausforderungen und eventuellen Schwierigkeiten begegnet er mit tiefem Fachwissen und nicht zuletzt einer Prise Humor. Zwei Eigenschaften, die bei Forschungsarbeiten ganz sicher von Vorteil sind. Dies gilt auch für das Projekt CampusOS, über das wir mit ihm gesprochen haben.

Frage: Bitte stellen Sie Ihr Unternehmen vor: Was macht brown-iposs?

Bernd Schöder (BS): Mit den von uns entwickelten Tools AnalyTo und CARAT führen wir Root Cause Analysis durch, die tiefer gehen als vergleichbare Lösungen. Dabei denken wir ganzheitlich, also von der Datenaufnahme über die Klassifizierung von Problemen im Netz bis hin zur Behebung, sei es automatisiert oder durch einen Menschen.

So unterstützen wir unter anderem den größten europäischen Mobilfunknetzbetreiber dabei, seinen Spitzenplatz im Kundenzufriedenheits-Ranking Jahr für Jahr zu verteidigen.

Wir beschäftigen uns damit, wie relevante Daten für diese Fragestellung erfasst und genutzt werden können. Wie lassen sie sich beschaffen? Wie werden sie zusammengeführt und aggregiert? Welche besitzen Relevanz? Das umfasst Sortierung, Priorisierung und weitere Analysen. Schließlich werden die Informationen in den Workflow integriert und mit entsprechenden Tools bearbeitet. Dafür haben wir zwei Produkte für verschiedene Anwendungsfälle entwickelt: AnalyTo, das sich speziell auf große Mobilfunknetze konzentriert und stark an individuelle Anforderungen angepasst werden kann, sowie Carat, das auf offenen Schnittstellen basiert, mit O-RAN kompatibel ist und flexibel in verschiedenen technologischen Umgebungen eingesetzt werden kann.

5G verspricht Flexibilität

Frage: Welche Herausforderungen stellen sich dabei? 

BS: Man muss vor allem ein gutes Verständnis dafür haben, wie die einzelnen Faktoren zusammenwirken. Genau darum ging es unter anderem bei CampusOS: Das Versprechen von 5G ist das Zusammenspiel von Komponenten, Interoperabilität und insbesondere eine höhere Flexibilität. Hier sind neue Mechanismen oder neue Ansätze entwickelt worden, die wir gemeinsam erforscht haben.

Frage: Welche Bedeutung haben Private Networks und ihre Weiterentwicklung für eine digitalisierte Gesellschaft?

BS: Campusnetze dienen als zentrales Rückgrat für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen, wie zum Beispiel die Steuerung von Warenflüssen in der Logistik oder die Koordination von Produktionsrobotern in der Fertigungsindustrie. 5G bietet diese Möglichkeiten erstmals auch für kleinere, spezialisierte Netzwerke und ist dabei deutlich zuverlässiger als etwa WiFi. Deshalb engagieren wir uns in Forschungsprojekten wie CampusOS.

Frage: Wie gestaltete sich dieses Engagement, was war die Aufgabe von brown-iposs im Rahmen des Projektes?

BS: Im Rahmen des Projekts haben wir Use Cases für Campusnetze umgesetzt, zum Beispiel das Smart Warehouse mit autonomen Fahrzeugen und Robotern. Hier wird eine stabile 5G-Abdeckung benötigt, doch gestaltet sich dies komplex, weil Logistikhallen von Regalen und Stahlkonstruktionen geprägt sind, die eine Herausforderung für funktechnische Lösungen darstellen. Mithilfe von CARAT konnten wir die Übertragungsdaten in Echtzeit abfragen, aggregieren und für eine adaptierte Heatmap der Funkausbreitung aufbereiten. Die Heatmap zeigt Probleme in der Funknetzversorgung an und bietet Lösungsansätze.

Ein anderer Fall ist die „Vernetzte Baustelle“ auf Basis des Neutral-Host-Konzepts, bei dem ein Betreiber eine Netzinfrastruktur bietet, die von mehreren Netzteilnehmern genutzt wird. Ein wiederkehrendes Problem dabei ist, die faire Verteilung der verfügbaren Netzressourcen zu garantieren. An der Stelle haben wir CARAT ins Spiel gebracht, das in dieser Virtual-Hosting-Umgebung die verschiedenen Datenflüsse erfasst und hierüber eben auch Aussagen dazu treffen kann, ob die Verteilung fair erfolgt.

Herstellerunabhängige Private Networks

Frage: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus dem Projekt ziehen?

BS: Die vielen erfolgreichen Demonstratoren im Projektverlauf zeigen, dass Private Networks aufgebaut und genutzt werden können, ohne sich von wenigen oder gar einzelnen Herstellern abhängig machen zu müssen. Allein dies ist eine wichtige Erkenntnis, die CampusOS gebracht hat.

Darüber hinaus haben wir den großen Wert von O-RAN nachgewiesen, wenn es um Interoperabilität unter den verschiedenen Komponenten geht. Das offene O-RAN-System ist im Vergleich zu geschlossenen Systemen deutlich leichter zu handhaben und daher besser geeignet, zuverlässige und sichere Netzverfügbarkeit herzustellen.

Frage: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern?

BS: Die Kooperation mit den Partnerunternehmen war sicherlich ein großer Gewinn, den das Projekt gebracht hat – speziell in den Erprobungsphasen. Während der Zusammenarbeit ist gegenseitiges Vertrauen entstanden und durch den engen Austausch kennen wir die Möglichkeiten und Grenzen der Beteiligten. Das alles mündet in der Folgeinitiative xG-ALOE, deren Ziel die Weiterentwicklung von Campusnetzen, die Vernetzung von Partnern und der Bezug zur Forschung ist.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner